Wir sitzen unter einem offenen, überdachten Sitzplatz zum Frühstück. Ich versuche ein letztes Mal den verbliebenen Colman-Kocher in Funktion zu bringen, da Strom nur gegen Geld zu bekommen ist. Aber der Kocher, der zuletzt auf Sparflamme noch etwas von sich gegeben hat, gibt nun – wie unser zweiter Kocher − auch keinen Muckser mehr von sich. Daher wird Geld in die Münzbox geworfen und 2 „Kochpötte“ werden gleichzeitig heiß gemacht. Damit gibt es reichlich Wasser für Kaffee und Heiners Tee. Die Nacht über ist es trocken geblieben und somit sind die Zelte relativ schnell auch vom Nachtkondensat getrocknet. Daher können wir zeitig aufbrechen. Aber bevor wir den Campingplatz verlassen, hält uns ein erster Schauer auf. In einem kleinen Holzhäuschen des Campingplatzes als Internetcafé (natürlich gegen Gebühr) deklariert, können wir uns regengeschützt verkriechen und suchen noch einige Fotos für unsere Blogs raus und beschriften diese. Der Regenschauer wechselt in Nieselregen und wir beschließen dann mit Regenmontur loszufahren. Es geht direkt zur Küste, wo wir an einem großen FKK-Campingplatz vorbeikommen. Diesen Platz hatten wir gestern auch in Erwägung gezogen ohne die Spezialität zu kennen, uns dann aber doch für den anderen entschieden. Es wäre sicherlich komisch gewesen, wenn man unsere Haut-Kolorierung gesehen hätte. Arme, Hände, Hals und Unterschenkel braun gebrannt und der Rest schneeweiß. Wir hätten ja wie Exoten ausgesehen, unter all den durchgängig knackig braunen Geschöpfen, die wir aber auch nicht „ohne“ sehen, da anscheinend niemand seine Haut ungeschützt dem Regen aussetzen will. Komisch, Kleidung, die man nicht an hat, kann doch auch nicht nass werden? Wir fahren in ungewohnter Weise unmittelbar an der Küste entlang, da nunmehr ein Badeort in den Nächsten übergeht. Vor Kellenhusen finden wir am Wegesrand den ältesten Leuchtturm Deutschlands. Es geht dann weiter nach Grömitz, Neustadt, Sierksdorf und Haffkrug. Es wäre möglich, schon heute die Umrundung zu vollenden, aber Heiner plant erst morgen in Berlin einzutreffen, wo er seine Tochter besuchen und insbesondere den Geburtstag seiner Enkelin mitfeiern möchte. Ein weiterer Grund ist, dass Karl-Josefs Tochter Kathrin, Hendrik (unser Fahrer nach Lübeck) und die Enkelin Wiebke im Badeort Scharbeutz Urlaub machen und wir somit noch vor Karl-Josef seine Enkelin kennenlernen können. Da es unentwegt nieselt auf unserer Strecke bis nach Scharbeutz, macht Heiner den Vorschlag in einer Jugendherberge zu übernachten, an der wir vorbeikommen. Ein 8-Bett-Zimmer für uns alleine, bietet die Möglichkeit alle nassen und klammen Kleidungsstücke an den nicht benutzten Betten aufzuhängen. Wir verabreden uns mit Kathrin nach dem Duschen vorbeizukommen und später dann gemeinsam essen zu gehen. Die Familie hat ein schönes Apartment gemietet und wir können unsere Räder im Garten unterstellen. Die nunmehr 3 Monate alte Wiebke (Geburt war, als Karl-Josef mit dem Flugzeug in Kaliningrad wieder zu uns stieß) schließt den Heiner − der sich liebevoll mit ihr beschäftigt − in ihr Herz und lässt sich auch von ihm tragen und unterhalten. Nach einem herrlich kühlen Flens (Pils in einer Plopp-Flasche) machen wir uns auf den Weg zu einem guten Fischrestaurant, wo wir ein liebevoll zubereitetes Essen haben, ohne dass Wünsche offengeblieben wären. Selbst Wiebke durfte sich mittels Transformatorin Kathrin am Essen beteiligen, wobei mir auffiel, dass Kathrin sehr sorgfältig überlegte, was im Gericht enthalten sein darf und was nicht, um es auch Wiebke schmackhaft zu machen. Es wird ein kurzweiliger Abend, während draußen mal wieder ein Wolkenbruch hernieder rauscht, der aber Gott sei Dank zu Ende ist, als wir den Heimweg antreten. Wir gehen noch mit bis zum Appartement von den Dreien, verabschieden uns und fahren gegen 21:15 Uhr mit Beleuchtung (!) zur JH. Es ist erschreckend für uns, wie schnell es jetzt immer früher dunkel wird. Durch unser Erlebnis der „immerhellen“ Nächte in Finnland und Schweden kommt uns der zügige Wechsel umso intensiver vor. Noch einige Sortier- und Aufräumarbeiten und dann legen wir uns unter ein schützendes Dach, wobei das Dach diesmal das obere Bett des doppelstöckigen Bettes ist. Ja, auch unsere am Morgen trocken eingepackten Zelte dürfen diesen regenfreien Zustand trotz nächtlicher Niederschläge weiter genießen!












