Da ich es beruflich gewohnt bin, in lärmgefährdeten Bereichen (in Kraftwerken) eine sogenannte „persönliche Schutzausrüstung“ (PSA) zu tragen, habe ich mich gut an Ohrstöpsel (sog. „Ohropax“) gewöhnen können. So nutze ich diese auch auf meinen Reisen, um Störgeräusche bei der Nachtruhe möglichst auszublenden! So auch in der letzten Nacht. Dennoch treibt es Männer im fortgeschrittenen Alter durchaus des Nachts, eine zuvor köstlich vereinnahmte Erfrischung wieder loswerden zu wollen. Mein Zeltnachbar machte sich hierzu so deutlich bemerkbar, dass auch ich trotz Stöpsel im Ohr wach wurde. Einmal wach verspürte ich sogleich ein ähnliches Verlangen und schälte mich aus dem warmen Schlafsack. Nun muss man erst mal aus dem Innenzelt raus, dann im Außenzelt bereitstehende Schuhe anziehen. Als Karl-Josef und ich dann – mit Stirnlampen bestückt – vor das Zelt krochen, trauten wir unseren Augen nicht. Eine von Heiners Vordertaschen und mehrere Tüten lagen in einem Umkreis von ca. 30 m verstreut auf unserem Zeltplatz. Wir rieben uns erst einmal unsere verschlafenen Augen. Dass Heiner die Sachen abends nicht ordentlich ins Zelt gepackt hatte, konnten wir ausschließen. Also muss ein Tier sich über die Sachen hergemacht haben. Aber welches Tier ist in der Lage so schwere Packtaschen aus dem Zelt zu ziehen? Dem Gedanken von Karl-Josef, dass es ein Waschbär sein könnte, konnte ich mich nicht anschließen. Nun, wir haben die Sachen wieder in Heiners Zelt zurücksortiert und verkrochen uns wieder in unser Zelt. Diesmal habe ich die Ohrstöpsel vorsichtshalber raus gelassen, um weitere Angriffe hören zu können. Nach kurzer Zeit raschelte es im Vorzelt und wir machten uns laut bemerkbar und hörten, wie das Tier flüchtete.
Während aus dem Nachbarzelt nach kurzer Zeit wieder ein vertrautes und tiefes Schnarchen zu vernehmen war, hatte ich eine längere Warte- und Lauschphase. Und nach einiger Zeit raschelte es wieder und ich schlich mich mit meiner Stirnlampe nach draußen. Und nun stand der Übeltäter, ein stattlicher Fuchs mir gegenüber. Schon wieder hatte er eine der schweren Packtaschen aus Heiners Zelt gezogen und wieder waren alle möglichen Sachen verstreut. Erst als ich auf den Fuchs zulief, machte er sich aus dem Staub und wir hatten für den Rest der Nacht unsere Ruhe. Dies war auch nicht verwunderlich, da er – wie ich dann feststellen konnte – ein Packung Scheibenkäse, mehrere Suppenwürfel, sich am restlichen Schwarzbrot vergnügt und was für Heiner besonders schmerzhaft war, seine herbe Ritter-Sport-Schokolade (nur die Verpackung fanden wir noch) aufgefressen hatte. Glücklicherweise hatte er zwar den in einer Plastikflasche umgefüllten und von Heiner mitgebachten Killepitsch auch nach draußen verschleppt, aber die Flasche nicht durchgebissen, so dass wir den Magenlikör nach gründlicher Reinigung der Flasche am Abend restentleeren konnten!
Eine kurzweilige Nacht hatten wir hinter uns und als ich gegen 7:30 Uhr die am Vortag bestellten Brötchen hole und der Verkäuferin von unserem Erlebnis berichte, meinte sie nur: „Dann wird der Fuchs ja dieses Jahr wieder rund und fett!“ Mit anderen Worten, es sei bekannt, dass die Füchse die Abfallsäcke und alles Essbare durchstöbern. Netterweise verkaufte sie mir eine neue Packung Käse und rohen Schinken, den sie selber als Brotbelag für geschmierte Brötchen benutzt.
Mit den frischen Brötchen und dem erworbenen Belag hatten wir dann doch ein leckeres Frühstück, zumal wir am Vortag 3 Schalen mit leckerem Obstsalat gekauft hatten und damit unser Müsli aufwerten konnten.
Als ich unsere Gebühr für die Übernachtung am Morgen bezahle und der Dame an der Rezeption einen leichten Vorwurf mache, dass es hilfreich gewesen wäre, wenn sie uns einen kleinen Hinweis auf die streunenden Füchse gegeben hätte, entschuldigt sie sich und entlässt uns die Gebühr für die Duschmarken.
Bei blauem Himmel und wieder den Wind im Rücken machen wir uns von Neuhaus auf den Weg um den Saaler Bodden nach Zingst, wo wir in einer Pizzeria kräftig zu Mittag essen. Von dort geht es auf Fahrradwegen nach Barth und hier beschließen wir über Landstraße die Strecke nach Stralsund abzukürzen. Ungefähr 15 km vor Stralsund finden wir in Duvendiek einen „Naturcampingplatz“, sehr gepflegt und mit einer überdachten Sitzgelegenheit. Da wir es verpasst hatten einzukaufen, gab es geschmierte Brötchen noch vom Frühstück und kaltes Bier an der Rezeption zu kaufen. Da es am Abend wieder bitterkalt wurde, schlugen wir den Vorschlag des Campingplatzbesitzers aus, mit seiner Frau in den 1. Mai zu tanzen und verkrochen uns in unsere Schlafsäcke!




