Am Sonntagmorgen um 5:45 Uhr wurden wir von Jürgens Fahrradalarmanlage geweckt. Er ist wohl versehentlich zu nahe an sein Rad gekommen. Da wir ja wild campten, bauten wir mit leerem Magen die Zelte ab und waren um 7:30 Uhr unterwegs der aufgehenden Sonne entgegen. Schnell konnten wir für unser Frühstück einkaufen und uns an einem großen Leuchtturm niederlassen. Es gab sogar Spiegeleier. Danach ging es weiter über Wieniotowo, Plesna, Gaski, Sarbinowo, Mielenko, Mielno, dann auf eine Meerenge zwischen den Binnenseen Jezioro, Jamno und der Ostsee. Es folgten die Städte Uniescie, Lazy, Osieki, Iwiecino, Bielkowo, Gleznowko, Bukowo Morskie und Dabki. In Dabki haben wir dann zu Mittag gegessen. Es gab leckeren Fisch und die sehr freundliche Wirtin packte gerade ein Fresspaket für ihre Tochter, die wieder in ihren Studienort zurück musste. Die Preise für Essen und Getränke einschließlich Kaffee bewegen sich bei durchschnittlich nur € 10! Weiter ging es dann über Darlowo und über die Landstraße über Zagrewo und Drozdowo nach Barzowic. Dort fanden wir nach längerem Suchen einen schönen Campingplatz. Vorher wurden wir abgewiesen, da die Saison erst im Juni beginnt und dementsprechend viele Plätze auch dann erst öffnen. Wir waren mal wieder die einzigen Besucher und froh, endlich wieder duschen zu können. Für mich war dies auch besonders wichtig, da ich bei einer Bergabfahrt in eine tiefe Sandverwehung geriet und stürzte. Zum Glück hatte ich einen Helm auf, der eine leichte Deformierung aufweist. Eine Halterung an der Radtasche brach, konnte aber am nächsten Tag mit Hilfe des Campingbesitzers von Jürgen repariert werden. Weitere Eindrücke von der Fahrt: Immer mal wieder Störche auf den Wiesen und viele sehr tiefe und gefährliche Schlaglöcher auf den Straßen. Man muss praktisch immer sehr konzentriert auf den Weg achten und kann nur kurz in die weite Landschaft sehen, viele geschmückte Wegekreuze, am Sonntagmorgen eine Kirche mit Außenlautsprecher und auf der Kirchenmauer viele Zuhörer.
Als wir über die Grenze nach Polen kamen, war ich gefühlsmäßig plötzlich wieder in der Kindheit. Das betraf den Zustand der Städte, den Geruch von Abbrand verschiedener Feldreste und Holzfeuer in Ortschaften und die alten Leute. Obwohl wir viele freundliche Menschen trafen, machten doch auch viele einen eher frustrierten Eindruck auf mich. Oft antworteten die Angesprochenen auf Deutsch, obwohl ich Sie doch in „perfektem Polnisch“ begrüßt habe. Eine Schar kleiner Kinder grüßte ich z. B. mit dobri wjetscher (guten Abend). Sie liefen mir hinterher und riefen „Auf Wiedersehen“! Auf dem letzten Campingplatz sprach uns ein polnischer Staatsbürger in fast perfektem Deutsch an. Er hatte 23 Jahre in Regensburg bei BMW gearbeitet. Sein mitgebrachter BMW wurde aber kurz nach der Grenze von einem schweren LKW niedergewalzt. Wir fahren durch eine weit einsehbare Landschaft - unterbrochen durch Baum, Waldstücke und Weiher - und sehen immer mal wieder Rehe und Störche und hören gerade morgens den Kuckuck rufen.




