Der Tag startet mit Blitz und Donner und endet mit Donner. Den ersten Regen auf unserer Tour erleben wir nachts fast unbemerkt in unseren Zelten. Begleitet mit vielen Blitzen und Donnerschlägen tobt sich das Gewitter zum Glück aber nicht in unmittelbarer Nähe aus. Als wir gegen 6:30 Uhr aus den Schlafsäcken ins Freie wechseln ist zwar das Außenzelt nass, aber unser Gepäck im Vorzelt und die sonstigen Sachen sind alle trocken geblieben. Heiner macht sich auf und besorgt Brötchen, die er in einem klitzekleinen Lädchen findet. Er erzählt, dass es von draußen gar nicht als Geschäft erkennbar war, ohne Werbung an der Straßenfront. Die Brötchen sind groß und lecker. In der aufsteigenden Morgensonne trocknen unsere Zelte schnell und wir packen alles wieder ein. Für unsere Verhältnisse sind wir schon früh abfahrtbereit. Um 9:30 Uhr besteigen wir unsere Drahtesel und fahren den gestern bereits lokalisierten R10 weiter. Nach einiger Zeit bemerken wir, dass wir eine Nebenroute erwischt haben, die uns über einen Pfad am Feldrand und später an einen schroff abfallenden Klippenrand führt. Einige Wegpassagen sind nur durch gemeinsames Schieben der Räder möglich. Zum Glück hat der Regen den lössartigen Boden nicht zu sehr aufgeweicht. Die Strecke bietet ein tolles Naturerlebnis, aber mit anstrengenden und rüttelbelasteten Abschnitten. Wir kommen an einer Kiesaufbereitungsanlage vorbei und es kommen Gedanken bei mir hoch, wie es mit einem Projekt weitergeht, an dem ich zuletzt mitgearbeitet habe! Neben der Kiesgrube befindet sich eine Betonmischanlage und so begleiten uns auf den nächsten Kilometern auf staubigen Straßen Betonfahrzeuge und große Kiessattelschlepper. Das überholt werden durch die schweren Fahrzeuge ist belastend und meist führen sie auch noch eine Staubwolke mit. Auch mit dem weiteren Streckenverlauf haben wir kein Glück bei der Suche nach dem richtigen Weg. Den R10 finden wir zwar gelegentlich, aber in entscheidenden Situationen fehlt er uns. Nicht nur der Gegenwind sondern auch wieder etliche Steigungen verlangen uns einiges ab. In der Hafenstadt Gdynia finden wir nach einer rasanten Serpentinenabfahrt (die Höhenmeter hatten wir vorher im dichten Straßenverkehr erkämpfen müssen) nicht den richtigen Weg gegen Süden und versuchen verschiedene Möglichkeiten. Am interessantesten war ein begleitender Rad- und Fußweg über eine lange Brücke, der auf einmal einfach endete. Nicht nur die Brücke wieder zurück, sondern auch eine lange Straße durch ein Industriegebiet.
Gegen 14:00 Uhr futtern wir in einem Park inmitten einer Hochhaussiedlung die am Morgen geschmierten Brötchen. Da die Bank auf der wir uns niedergelassen haben, der prallen Sonne ausgesetzt ist, machen wir uns wegen der Hitze alsbald wieder auf. In Sopot an der Durchgangsstraße treffen wir auf einen „Kaufland“ und ich vermute dort einen Ersatzspiegel kaufen zu können, was auch gelingt. Es ist zwar nur eine Billigvariante, aber für mich lebenswichtig im Straßenverkehr. Auch ein Seilschloss finde und kaufe ich, da ich meines in der Hektik bei der Abfahrt zu Hause vergessen habe. Für Jeden noch eine 1,5 l Flasche Wasser als Abkühlung, die wir aber wenig später von oben ohnehin reichlich genießen dürfen. Unter dem Vordach eines Möbelgeschäftes ziehen wir zum ersten Mal auf unserer Reise die komplette Regenmontur an und sie wird auch arg geprüft. Anfänglich versuchen wir noch dem Regen zu trotzen, aber Blitz und Donner sorgen für einen Wolkenbruch und wir müssen uns mit einigen anderen Menschen unter ein Buswartehäuschen flüchten. Vorbeifahrende Autos spritzen Fontänen über die Seitenstreifen. Als der Schauer nachlässt, machen wir uns wieder auf den Weg.
„Pitsche-patsche-nass“ erreichen wir nach etlichen Rückfragen zum richtigen Weg das von Simeon vor 2 Tagen vorgebuchte Hostel zentral gelegen in der Altstadt von Danzig. Für uns überraschend, dürfen wir die Fahrräder und Klamotten, so triefend sie auch sind, mit auf ein 10-Bett-Zimmer nehmen, von denen wir nur 3 nutzen. Mit einer großen Fensterfront blicken wir auf einen Seitenkanal der Motlawa mit etlichen Stapelhäusern.
Am Abend gehen wir auf die Suche nach einem guten Restaurant und starten in eine sehr kontroverse Diskussion über die Erfahrungen der ersten beiden Wochen. Durch die Dauer des Russlandvisums von 30 Tagen besteht die Gefahr, dass die Durchquerung von Kaliningrad (Russland), des Baltikums und wieder Russland mit St. Petersburg zur reinen Strampelei wird, ohne Momente die unbeschreiblich schöne Natur zu „erfahren/-leben“.
Heiner und ich machen noch einige Fotos der schön beleuchteten Altstadt und gehen dann ins trockene Zimmer unseres Hostels zurück!






