Die Ereignisse überschlagen sich heute Morgen. Um den terminlichen Druck aus der vorgegebenen 30-Tage-Frist von Grenze Kaliningrad bis Grenze Finnland zu nehmen, haben wir beschlossen, den russischen Teil mit St. Petersburg auszulassen und die baltischen Länder intensiver zu erfahren / -leben. Daher mussten wir nun auch nicht am 10.05.2013 (Beginn unseres Russlandvisums) unbedingt weiterfahren. Wir wollten nun heute in Richtung Kaliningrad aufbrechen, nachdem wir uns die letzten beiden Tage von der anstrengenden Fahrt bis nach Danzig erholt hatten. Unser lieber Karl-Josef hatte jedoch plötzlich in der Nacht so ernsthafte gesundheitliche Probleme, dass eine umgehende Rückkehr nach Deutschland erforderlich wurde. Noch während des Frühstücks wurde im Internet recherchiert, welche Zugverbindungen von Danzig nach Köln gegeben sind. Schwierigkeiten machte die Buchung zur Mitnahme des Fahrrades, da immer wieder einzelne Züge hierzu bereits ausgebucht waren (es fahren anscheinend doch viele Radler Einzelstrecken mit dem Zug!). Da Heiner und ich unsere Reise zunächst alleine weiterführen möchten, wurde das Gepäck (insbesondere Kochutensilien) dahingehend sondiert, was für nur 2 Personen erforderlich ist. Unsere Bohnenkaffeeaufschüttvorrichtung fiel zum Opfer, da wir z.B. das kleine Notebook (sonst können wir unsere Website ja nicht weiterführen) von Karl-Josef und sein großes Zelt nun mitnehmen müssen. Mein kleines Zelt wird zusätzlich mitgenommen. Die bereits am Vortag eingekauften Lebensmittel (heute ist Sonntag) werden aufgeteilt. Aber über allem schwebt natürlich die Sorge um Karl-Josef und natürlich die Frage, ob es auf der weiteren Reise auch zu zweit klappt. Wir trösten uns damit, dass Karl-Josef vielleicht nach möglichst kurzer Zeit wieder zu uns stoßen kann. Alle baltischen Hauptstädte können per Flugzeug erreicht werden und auch Helsinki wäre ja dann noch eine Möglichkeit. Karl-Josef war echt betroffen, dass er gerade jetzt, wo es ins Baltikum geht, auf das er sich besonders gefreut und vorbereitet hatte, aussetzen muss. Er wird uns mit seiner Persönlichkeit und seinen Talenten fehlen und es wäre natürlich für uns alle toll, wenn es wieder gemeinsam um die Ostsee ginge! Mit den frisch geschmierten (Ketten und Schaltung) und bepackten Rädern geht es dann zum wunderschönen Bahnhof von Danzig.
Der Kauf der Bahntickets war schwierig, da die Ticketverkäuferin kein Deutsch und kaum Englisch sprach. Aber nach etlichen Sondierungen hatten wir eine Verbindung, allerdings mit einigen Umstiegen! Der Zug startet um 13:46 Uhr, aber damit wird Karl-Josef am nächsten Tag um 6:14 Uhr in Köln sein. Nach stundenlanger Wartezeit helfen wir Karl-Josef mit Fahrrad und Gepäck (es gab natürlich keinen Fahrstuhl) aus dem Wartesaal auf die andere Seite zum Abfahrtsgleis, das durch einen Tunnel verbunden ist. Wer kennt nicht diese verdammte Schlepperei mit einem bepackten Fahrrad Treppe rauf und runter. In letzter Sekunde findet Karl-Josef noch im abfahrtbereiten Zug den Cyclos-Reiseführer für das Baltikum und reicht ihn mir raus, bevor die Türen schließen und der Zug losfährt.
Heiner und ich machen uns, nachdem der Zug abgefahren ist, auf unseren weiteren Weg. Da ich in meinem Smartphone nur ein Navi für Autos habe, gab es Probleme die richtige Straße aus Danzig rauszufinden, da es uns ständig auf die E77 führen wollte, die als 4-spurige Schnellstraße in der Karte eingetragen war. Aber nach einigen Rückfragen an immer informationsfreudigen Einheimischen fanden wir, dass wir genau über diese Schnellstraße mussten, die für Radfahrer nicht verboten war!
Nach 2 Tagen Pause machte das Fahren wieder so richtig Spaß und nach einer Strecke von ca. 20 km finden wir in Sobieszewo ein einladendes Restaurant mit dem Namen „Tawerna Delfin“. Der Gastwirt empfängt uns bereits am Gartentor auf Deutsch und fragt nach unseren Wünschen. Das Essen war wirklich exquisit und Heiner meint, dies sei das beste Restaurant bisher. Auch die Inneneinrichtung mit einem großen Kamin war sehr ansprechend. Ich machte noch ein Foto mit der ganzen Familie und dann ging es weiter bis unser Weg an dem Fluss Prezekop abrupt endete. Wir sahen aber eine Fähre auf der anderen Seite des sicher 1 km breiten Flussdeltas. Ein dreijähriger Junge mit Namen Robert unterhielt uns und wollte auch gerne aufs Foto. In Stegna dem Tor zur „Frischen Nehrung“ fanden wir einen schönen kleinen Campingplatz nahe an der Küste. Die Chefin bot uns einen kleinen Campingwagen an mit der Bemerkung, in der Nacht würde es sicher sehr kalt und vielleicht sogar regnen. Wir nahmen das Angebot gerne an – brauchten wir doch mal kein Zelt auf und ab zu bauen – und konnten schnell noch zum Strand fahren. Dort haben wir uns dann in ein altes Schifferboot gesetzt (siehe Foto!) mit einem kleinen Abendtrunk und unser Tagebuch geschrieben. Aufregung gab es noch nach der Rückkehr auf den Campingplatz, als Heiner vermeintlich sein Handy verloren glaubte. Zum Glück fand es sich aber im Wohnwagen wieder.







