Die Nachricht, dass Karl-Josef uns ab Freitag wieder begleitet, hat uns natürlich sehr positiv gestimmt. Für uns bedeutet dies aber auch, zu überlegen, wie strukturieren wir unsere Zeit bis dahin. Lohnt noch eine Rückkehr auf die „Frische Nehrung“? Es geht ein Boot von Frombork nach Krynica Morska und man hätte die Möglichkeit, einige Ecken der Nehrung sich noch anzusehen. Aber wann geht das Boot, der Campingguide meint es sei saisonal unterschiedlich. Da wir nicht wieder zu spät sein wollen, wie in Stegna (s. 13.05.2013) sind wir schon um 7:30 Uhr abfahrtbereit, um 8:00 Uhr bereits an der Touristen-Information die Abfahrtszeit zu erfragen. Nach einigen Telefonaten einer netten Dame erfahren wir, dass es erst um 14:45 Uhr abfährt. Wir sind enttäuscht, denn rechnet man noch 1 Stunde Überfahrtzeit hinzu, bleibt kaum Zeit um etwas zu erkunden. So beschließen wir also noch einen Tag in Frombork zu verbringen. Da wir noch nicht gefrühstückt haben, besorgt Heiner frische, wirklich leckere und große Körnerbrötchen, Joghurt und Brotaufstrich. Wir setzen uns auf eine Bank an einem Marktplatz und essen gemütlich unser Frühstück. Danach wieder den Berg hoch zum Campingplatz und wir entscheiden uns die nächste Nacht mal in einer der Blockhütten zu übernachten (50 Zloty ∼12,50 €). Wir nutzen die Zeit bis die Hütte gereinigt ist, um das große Zelt zu trocknen. Auch das kleine, das wir seit Puck nicht mehr benutzt haben, wurde noch einmal aufgehängt zum Trocknen und Lüften. Nachdem wir die Hütte beziehen können und unsere Fahrräder entpackt haben, räumen wir die Taschen noch schnell in die Hütte. Heiner schreibt die News des Vortages noch zu Ende, hat aber das Problem immer darüber einzunicken. So gibt er mir den Laptop: „Kannst auch nochmal drüber lesen!“, legt sich aufs Bett und 2 Minuten später fällt der 1. Baum. Aber mir geht es ähnlich und ich spüre wie mir die Augen immer wieder zufallen. Ich befürchte bei euch, verehrte Leserschaft, dass sich jetzt Verdächtigungen entwickeln können, dass die Story möglicherweise zu langweilig gewesen wäre. Keineswegs, ich denke es lag am frühen Aufstehen und an den Strapazen vom Vortag. Also entscheide ich mich auch fürs Nickerchen. Aber als ich gerade so am wegnicken bin, dröhnen die Holzfällerarbeiten mit gefühlten 86 dB (A) (> 85 dB (A) gilt für lärmgefährdete Bereiche und darf nur mit Gehörschutz betreten werden). Da ich zu faul bin aufzustehen und meine Ohropax zu suchen, stehe ich nach deutlicher Lichtung des Waldes auf und auch Heiner kommt in die Senkrechte mit der Feststellung: „Bin wohl etwas eingeschlafen, konntest du auch was schlafen?“. Meine Reaktion stieß dann aber auf Unverständnis: „Nein, ich habe dir nur beim Arbeiten zugesehen!“. Heiner: „Also Ulrike sagt, ich würde nicht mehr schnarchen!“. Liebe Ulrike, ich wünsche dir aus Frombork gute Erholung die nächsten Monate. So machen wir uns dann auf, den Dom von Frombork zu besichtigen.
Geschichtliche Anmerkungen Heiner: Frombork liegt im nordwestlichen Teil des Ermlands – Masuren im Kreis Braunsberg (Ostr.). Dort hat vor beinahe 470 Jahre Nikolaus Kopernikus 33 Jahre seines Lebens verbracht und über die „Kreisbewegungen der Himmelskörper“ geschrieben. Gestorben ist er am 21. Mai 1543, er wurde in der gotischen Kathedrale beerdigt, und ist am Montag nächster Woche demnach wie viele Jahre tot? Infolge der ersten Teilung Polens fiel Frauenburg 1772, sowie das gesamte Ermland – wie alle wissen – unter die Herrschaft des preußischen Königs Friedrich II. Den damaligen Status konnten selbst wir nicht durch unseren Besuch wiederherstellen.
Beim Betreten des Domes haben wir die Möglichkeit dem berauschenden Klang einer fünfmanualigen Orgel zu lauschen; und liebe Brückenschläger, was vernehme ich aus unserem Repertoire, na, von unserem Freund Georg Friedrich H., na was, natürlich das „Halleluja“. Sogar mit Glöckchenuntermalung und sich drehenden Putten an der Orgelverkleidung. Wie gerne hätte ich laut mitgesungen, doch zu gewaltig war das Zusammenspiel der einzelnen Stimmen (natürlich hatte ich auch den Text nicht auswendig im Kopf). Leider wird die schöne gotische Struktur des Kirchenraumes durch viele dominante barocke Seitenaltäre zunichte gemacht. Von außen jedoch beeindruckt die Kirche in schöner Backsteingotik, die durch eine Burgmauer umschlossen wird und damit auch als Wehrkirche genutzt wurde. Nach der Eroberung durch die Russen nach dem 2. Weltkrieg (nur der Dom wurde verschont) ist ein gutes Stück Wiederaufbau gelungen.
Wir fahren danach runter ins überschaubare Hafengelände und suchen uns eine kleine Taverne zum Mittagessen. Auch hier vermute ich bei den weiblichen Lesern aufkommende Fragen: Wieso kochen die denn nicht mal selber? Nun, weil man so blöd nicht sein kann. Ein leckeres Fischgericht (ok, bei mir ist es eher ein Fleischgericht, Kostenfaktor 0,6 zu Fisch), z.B. gegrillter Lachs, mit frischem Salat und Beilagen kostet ca. 8 € mit einem leckeren duży Piwo (großes Bier = 0,5 l) für 2 €. Man möge diesen Luxus uns Ruheständlern bitte zugestehen. Danach kaufen wir auf dem Weg zurück zum Campingplatz noch Vorräte für morgen ein, u.a. eine Flasche Wódka Żołądkowa Gorzka, die uns am nächsten Tag jedoch wegen Leerung nicht mehr zur Verfügung steht. Nach einer Eingangsbemerkung seitens Heiner: „Ja, aber mir bitte nicht so viel“ wurde beim Verteilen des letzten Tropfens „Kann ich mich dran gewöhnen“! Das war auch der Grund für die nicht ganz jugendfreie Unterschrift des Schwanenfotos des Vortages. Wir bummeln so in den Abend rein und schlüpfen schon früh in ein duftendes, frisch bezogenes Bett (wer kann sich dieses Erlebnis vorstellen, nach über 2 Wochen immer klammer werdenden Schlafsäcken). Draußen wird es wieder kalt und hier lockt das warme Bett. Aber bevor uns die Müdigkeit vereinnahmt, rauschen noch bange Gedanken durch unsere Köpfe. Was erwartet uns morgen? Wie schrieb der Mann, der alleine mit dem Fahrrad die Ostsee umrundete bei der Begegnung mit angreifenden Hunden? Er habe dann immer die Straßenseite gewechselt, um Autos und LKWs zwischen sich und die Hunde zu bringen. In einem anderen Buch wurde empfohlen, eine Wasserflasche zum Spritzen bereit zu halten, dass würde die Hunde auf Abstand halten und irritieren. Und nun der Dresdener Radler, der genau auf unserer Route von morgen von Hunden verfolgt und belästigt worden ist. Wie werden wir den Auto- / LKW-Verkehr erleben? Wie ist der Zustand der Straßen? Was erwartet uns an der Grenze? Finden wir die von Simeon vorgebuchte Pension? Wir haben keine genaue Karte von Kaliningrad, wir brauchen einen Stadtplan. Kommen wir mit der kyrillischen Schrift zurecht?
Gute Nacht, schlaft gut!
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