Die Sonne schien um 06:45 Uhr sehr hell und fast etwas erbarmungslos durch das große Fenster direkt in mein Bett. Sie war im Gegensatz zu mir schon um 04:03 Uhr aufgestanden! Wir wohnen im 5. Stock des Hostels und haben unser Fenster nach Osten. Es ist jetzt schon sehr warm und kein Wölkchen am Himmel zu sehen. Das Zimmer ist mit einer kleinen Küche gegenüber den Betten ausgestattet. Die am Vortag gekauften Lebensmittel sorgten für ein sehr gutes Frühstück – unter anderem mit Spiegeleiern und Schinken. Die im Hostel vorhandene WiFi-Verbindung ins Internet musste genutzt werden. Daher werden nochmal Texte überarbeitet und passende Bilder ausgesucht. Dann ab in das 20 Fußminuten entfernte Zentrum der Stadt. Helsinki unterscheidet sich grundlegend von den Großstädten wie Danzig, Königsberg, Riga oder Tallinn, die wir bisher mit dem Rad „erfahren“ haben. Dies empfinde ich nicht nur von den Gebäuden (das älteste erhaltene Haus aus Stein ist aus dem Jahr 1757), sondern auch von den Menschen. Ich schaue in viele junge fröhliche, ja ausgelassene Gesichter, erlebe diese im Esplanadenpark, wie sie sich mit Decken und Essbarem bewaffnet auf den gut 60 m breiten und ca. 500 m langen Wiesenstreifen in der Hauptflaniermeile der Stadt niederlassen. Das ist natürlich nicht der einzige Park. Der Stadtplan weist überall grüne Flecke aus. Fast alle Straßen sind mit zahlreichen alten Bäumen bepflanzt. Also ein wirbliges Leben, das unseren Städten wie Köln oder Düsseldorf in nichts nachsteht. Rechts und links des Parks und in den zahlreichen Seitenstraßen reihen sich noble Geschäfte mit Edelmarken nebeneinander auf. Genauso, wie sie überall im westlichen Europa zu finden sind. Restaurants und Cafés sind voll besetzt. Ein halber Liter Bier kostet dort über 6 € und kleine Salate beginnen bei 13 €. Die meisten Gastronomiepreise sind 50-100 % höher als bei uns. Wir essen mittags auf dem ständigen Wochenmarkt eine kleine Plastikschale mit Paella für 6 €. Eine richtige Altstadt gibt es nicht. Helsinki wurde 1812 zur Hauptstadt des Großfürstentums Finnland erhoben. Erhabene Bauten, wie sie in den folgenden Fotos gezeigt werden, sind erst Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden. Der weiße evangelische Dom, nur durch eine steile lange Freitreppe zu erreichen, thront hoch über dem Senatsplatz. Steht man endlich oben und dreht sich um, hat man den mächtigen Bau im Rücken und rechts das Hauptgebäude der Universität mit Nationalbibliothek und links das Regierungspalais neben sich. Ein einzigartiges Ganzes im neoklassizistischen Stil. Der Blick geht weiter über Straßenzeilen zum bunten Treiben am Marktplatz und am Ende dann der Südhafen. Ein dort liegendes Kreuzfahrtschiff ist über den Dächern der Häuser mit 6 Stockwerken zu erkennen. Im Gegensatz zu Danzig, Riga und Tallinn fallen die Kohorten aus den Kreuzfahrtschiffen hier in Helsinki nur am evangelischen Dom auf. Erwähnt werden soll aber auch noch die sehr schöne Uspenski-Kathedrale, die die größte orthodoxe Kirche in Westeuropa sein soll. Es ist nicht möglich, alle Sehenswürdigkeiten der Stadt aufzuzählen oder gar zu besuchen. Die paar ausgewählten Bilder sollen einen Eindruck vermitteln. Die Sonne geht erst um 22:33 Uhr unter – ich vor ihr ins Bett. Nur Jürgen ist abends noch auf Abendfotos unterwegs, doch der gibt um 11:15 Uhr entnervt auf, weil es immer noch so hell ist, dass die orthodoxe Kathedrale (s.o.) immer noch nicht angestrahlt wird! Der evangelische Dom schaltet sich dagegen etwas früher ein, lag aber auch schon auf dem Rückweg, der um 00:30 Uhr für Jürgen im Hostel endete, während wir schon lange weggenickt und in einem erholsamen Schnarchduett für Stimmung hier im Studentenviertel sorgen. Jürgen berichtete, dass für ihn erstaunlich war, dass so viele Lokale (bei uns würde man Biergärten sagen) noch fast bis auf den letzten Platz besetzt waren. Es gibt auch um Mitternacht kaum eine Veränderung der Besucherzahlen in den Lokalitäten gegenüber 12:00 Uhr mittags. Also hier werden die Bürgersteige wohl erst um 05:00 Uhr morgens hochgeklappt.














