Beim Aufwachen geht der erste Blick zunächst einmal durchs Fenster, um die aktuelle Wetterlage zu ermitteln. Es sieht ganz gut aus. Zum Frühstück wird das letzte Brot verteilt, Käse und Blockwurst gibt es noch genug. Wegen des stinkenden Leitungswassers nehmen wir das gekaufte Wasser aus der Leitung für den Kaffee. Als Heiner aus seinem Separee auftaucht, singen wir ihm erst einmal aus voller Brust ein Geburtstagsständchen. Der Frühstückstisch ist mit Kerzen geschmückt und der dampfende Kaffee wartet schon.
Morgens kommen wir (Heiner) schwer aus den Federn. Wein und Wodka lassen grüßen! Draußen sieht es trübe aus, es fängt kräftig an zu gießen und wir haben gar keine Lust, in die nasse Welt heraus zu treten. Die liebe Ina erkundigt sich per Handy nach meinem Wohlergehen und holt sich einen enormen Wissensvorsprung gegenüber der übrigen geschätzten Leserschaft. Nachzutragen wäre meine tatsächlich sehr gute Erfahreng bei der noch jungen Zahnärztin. Die Praxis gehört wohl zu einem größeren Klinikverbund und war hervorragend ausgestattet, soweit ich das als Laie beurteilen kann.
Ein ruhiges, aber regelmäßiges Trommeln weckte mich um 6:00 Uhr aus dem Tiefschlaf. Regnet es? Das Dachfenster hatten wir hier unter dem Hausgiebel wegen der Wärme weit geöffnet. Ich sprang aus dem Bett, um es zu schließen. Im Nachbarbett saß Jürgen und klimperte auf der Notebooktastatur. Also Entwarnung! Ein Blick zum Fester bestätigte: kein Regen sondern bewölkter Himmel. Also noch mal rumdrehen und weiter schlafen. Um 7:00 Uhr ist aufstehen und gegen 8:00 Uhr Frühstück im Hostel angesagt.
Ich bitte schon jetzt um Entschuldigung, wenn der Bericht möglicherweise etwas ausschweifend wird, aber es kribbelt mir in den Fingern. Einen kleinen Nachtrag vom Vorabend möchte ich noch anfügen. Wir schlafen hier in Riga in einem Hostel. Das ist kein Hotel und keine Jugendherberge, sondern eine einfache Unterkunft mit vernünftigen Betten, alles modern eingerichtet, sauber und Gemeinschaftsdusche und -toilette auf dem Flur. Es gibt eine Küche, die dann auch als Frühstücksraum genutzt wird.
6:30 Uhr aufstehen, Jürgen arbeitet bereits im Parterre am Laptop und schreibt Tagebuch. Da wir nur noch 60 km bis Riga zu fahren haben, können wir es heute langsamer angehen lassen und senden bis 10 Uhr alle aktuellen News an Ina. Ich hole den Campingplatzbesitzer Ivo, damit er den Schuppen mit den Rädern aufschließen kann. Seine freundliche Mutter öffnet und sagt, dass sie Ivo aus dem Bett hole. Ich frage Ivo, ob er gut geschlafen habe. Viel zu wenig, sagt er, die Mutter habe ihn mit ihrem Geklapper viel zu früh geweckt.
Am Morgen ist das Wichtigste für einen Camper mit Zelt: das Wetter. Es gab Wetter. Hier kann man nicht sagen: „ es ist kein Wetter“. Die Sonne kam langsam hinter den Bäumen aus Richtung Ostsee hervor und wärmte unseren Zeltplatz. Gut ausgeruht (im Gegensatz zu meinen Freunden, die wohl bis nach 24:00 Uhr am Blog geschrieben haben) suche ich den Regenwassertank zwecks erfrischender Morgenwäsche auf, da am offiziellen Waschplatz nur ein Rinnsal aus dem Wasserhahn tröpfelte.
Um 6:30 Uhr treibt ein Bedürfnis mich raus und zwingt mich durch die kalte und neblige Morgenluft, zur rd. 80 m entfernten Toilette zu laufen. Mit wasserfesten Sandalen und GoreTex-Socken an den Füßen durch die regennasse und teilweise sumpfige Wiese. Ein kurzer Weg, der ausreicht die nötige Morgenfrische zu erlangen. Danach beginnt eine Diskussion, welches Wasser wir denn als Kaffeewasser benutzen sollen. Das Wasser aus der Leitung stinkt deutlich nach Metall und hat eine noch deutlichere Braunfärbung (könnte man halt Kaffeepulver sparen).
1. Vorab-Infos: 94 km gefahren, 1634 km Gesamtstrecke, bis 230 User pro Tag (Werbeblocks zu vergeben!) Vielen Dank an Verena für Infos zu Liudvikas Reza
Unter dem Spitzdach standen 11 Betten. Schneewittchen und die 7 Zwerge fehlten. Wir drei verbrachten eine behütete Nacht, natürlich nur in 3 Betten. Also hinkt der Vergleich. Trotzdem waren wir sicherlich genauso glücklich wie Schneewittchen, als sie im Märchen überraschend bei den 7 Zwergen eine Unterkunft fand. Hatten wir doch ein Haus mit Sauna und allem was dazu gehört für uns drei alleine. Unten kochte am Morgen, für uns, die wir nur das Camperleben gewohnt sind, ein Heißwassergerät im Handumdrehen das Wasser für den Nescafé.
Beruhigendes Trommeln des Regens auf das schützende Blechdach der Veranda lassen mich bei angenehmen Nachttemperaturen gut schlafen. Durch mein Nachtquartier habe ich mir das Auf- und Abbauen des Zeltes erspart und was wichtiger ist, es ist trocken geblieben im Gegensatz zu Karl-Josefs Zelt! Zum Schutz vor lästigen Plagegeistern habe ich mir meine Kopfbedeckung und das Mückennetz über den Kopf gezogen, um so alle Angriffe auf nicht eingepackte Körperteile abzuwehren, was sich dann auch als sehr wirkungsvoll erwies.