Unsere Unterkunft ist das Linnè Vandrarheim. Wie in deutschen Jugendherbergen können wir in der Selbstversorgerküche frühstücken. Danach hatte jeder seine eigenen Ziele. Jürgen möchte bis zum frühen Nachmittag an seinem Blog arbeiten, Heiner wird sich die Stadt ansehen und Museen und Kirchen besuchen und ich möchte aufgrund der Erfahrungen des gestrigen Abends das Leben in der Stadt erleben. Göteborg liegt direkt an der Küste, die von malerischen Schäreninseln gesäumt ist.
Wir haben etwas Pech mit dem uns zugewiesenen Zeltplatz. Die Toilette ist zwar nur die Ecke herum, aber wir liegen leider im Schatten der morgendlichen Sonne. Da es gestern Abend einen kräftigen Regenschauer gegeben hat, sind unsere Zelte noch pitschenass. Da wir ja in Göteborg 2 Nächte in einem festen Quartier gebucht haben, sollten die Zelte schon etwas trocken sein. Es sind zwar nur noch rund 80 km bis Göteborg, aber wir müssen bis 17:00 Uhr im Vandrarheim einchecken. Daher können wir nicht warten, bis die Zelte komplett getrocknet sind und müssen notgedrungen so einpacken.
Nach dem Duschen kann ich mich noch hinlegen, da die Küche erst ab 7:00 Uhr geöffnet ist. Die Küche ist luxuriös mit schöner Sitzgelegenheit. 10 Uhr ist Abreise, 10:30 an einem schönen Strand der erste Halt zum Fotografieren. Uns faszinieren besonders die schönen Felsformationen. Die Sonne brennt schon vom Himmel und ganz Schweden scheint sich jetzt am Strand und im Wasser aufzuhalten. In Falkenberg fragt Karl-Josef um 13:00 Uhr an, ob wir Mittagspause machen könnten.
Wenn ich am frühen Morgen die Augen aufmache, erfolgt die örtliche Orientierung. Was ich sehe ist immer gleich. Freund Heiner rechts und die gelbliche Zeltdecke über mir. Wo das Zelt steht ist auch an den Geräuschen festzumachen. Straßenverkehr, Schritte über den nahen Fußweg oder nur das Geschrei der Möwen oder sonstiger Vögel. Diesmal war es sehr ruhig. Weit entferntes Möwengekreische und selten ein langgezogenes, aber tieferes Geräusch eines vorbeirauschenden Zuges.
Ist das schön, wenn morgens die Sonne auf das Zelt scheint. Es macht einfach mehr Laune, aus dem wärmenden Schlafsack zu krabbeln. Der Weg führt dann erst einmal unter die Dusche und frisch wie ein duftender Apfel (z.Zt. gab es Haarwaschmittel auf Apfelbasis, zurückgelassen in einer Dusche) geht es dann leider in die nicht ganz frischen Fahrradklamotten. Wir untereinander haben mit uns weniger Probleme, aber wie wirken wir mit unserem Odeur auf uns „Begegnende“. Trotz sorgfältigster Beobachtungen können wir Gott sei Dank feststellen, es hat sich noch keiner mit rümpfender Nase abgewandt.
Als ich um 6 Uhr duschen gehen will, fehlt die Eintrittskarte. Karl-Josef hört mich, sucht in seinen Sachen und findet auch die Karte. In den Sanitäranlagen fällt mir eine Verhaltensanweisung auch in deutscher Sprache auf. Im letzten Satz folgt ein Danke für die „freundliche Kollaboration“. Haben wir denn immer noch Krieg, frage ich mich. Für uns ist der Begriff ja sehr negativ besetzt. Auf gehts nach dem Frühstück in die Innenstadt von Trelleborg, in der es die einzige Palmenallee Schwedens gibt.
Trommelnder Regen kann im Zelt einschläfernd wirken. Diesmal wurde ich mit dem Gedanken wach „nicht schon wieder“! Gestern hatten wir ja schon nass abgebaut. Der 2. Gedanke: Rumdrehen und weiterschlafen! Gegen 7:30 Uhr musste ich raus; es hatte ja auch aufgehört zu regnen. Der Himmel war tief grau verhangen. Duschen und dann frühstücken. Die Sitzgruppe draußen vor der Küche wurde getrocknet und die leeren Ortliebsäcke als Sitzpolster ausgelegt. Meine schöne Blümchentischdecke breitete ich auf dem groben Holztisch aus.
32 Tage Trockenheit in Kristianstad, so berichtete uns der Fahrradhändler am Morgen des Vortages noch. Wie Heiner dann im Blog gestern bereits berichtet, fängt es schon am späten Nachmittag an leicht zu nieseln, was uns veranlasste einen schönen Küstenabschnitt vorzeitig zu verlassen und in Kivik den dortigen Campingplatz aufzusuchen. An der Küste hatten wir verschiedenartige Vögel und Enten aus der Nähe beobachten und mit dem Teleobjektiv fotografieren können. Leider hatte sich schon da die Sonne hinter einer grauen Wolkendecke verzogen.
Es ist morgens diesig und kein Trockenwetter. Wir legen unsere Thermarestmatratzen auf die Holzbänke, auf den feuchten Holztisch ein großes Kunststoffbrett aus der Küche. Zitiert wird heute Morgen Ellens erheiternder Leserbrief. Besonders weist Karl-Josef auf das Lob Jürgens hin, der die Vorgänge auf den Campingplätzen so ausführlich zu beschreiben vermag. Es entbrennt darauf eine Diskussion über Umfang, Form und Inhalt der Blogs. Nach dem Frühstück übernehmen Karl-Josef oder ich das Spülen, während Jürgen danach mit dem aufwendigen Verstauen des Koch- und Essgeschirrs beschäftigt ist.
Nachts hatte es nur leicht geregnet. Das Zelt war noch etwas feucht. Das frühe Aufstehen am Sonntagmorgen um 06:15 Uhr hat den Vorteil, dass die drei Duschen nicht besetzt sind und der gesamte Raum für Heiner und mich zur Verfügung steht. Die Sonne hatte wieder die Wolken vertrieben, wärmte uns aber nicht an unserem Frühstücksplatz unter dem riesigen Vordach der Campingplatzküche. Das Frühstück wurde mit gespannter Ruhe eingenommen, da nicht klar war, ob Heiners Hinterrad mit Speichenbruch die heutige Tour überstehen würde.